Folgeschaden /​Folgeschäden

Fol­ge­schä­den sind Schä­den, die durch eine ver­si­cher­te Gefahr nur mit­tel­bar und nicht unmit­tel­bar an ver­si­cher­ten Sachen ent­ste­hen. Es muss aller­dings einen ursäch­li­chen Zusam­men­hang zwi­schen dem Ein­tritt der ver­si­cher­ten Gefahr und dem Fol­ge­scha­den bestehen.

Ersatz­leis­tun­gen für Fol­ge­schä­den gibt es in der Feu­er­ver­si­che­rung, der Sturm­ver­si­che­rung (jedoch nur unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen), der Haft­pflicht­ver­si­che­rung, der Wohn­ge­bäu­de­ver­si­che­rung, Haus­rat­ver­si­che­rung und der Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­che­rung.

Im Rah­men der Feu­er­ver­si­che­rung wer­den bei­spiels­wei­se Schä­den Fol­ge­schä­den an ver­si­cher­ten Sachen über­nom­men, die durch die Hit­ze und Rauch­ga­se eines Bran­des auf dem Nach­bar­grund­stück ent­stan­den sind.

Glei­ches gilt bei der Betriebs­un­ter­bre­chungs­ver­si­che­rung. Soll­te der Betrieb unter­bro­chen wer­den müs­sen, weil ein Gebäu­de außer­halb der Betriebs­stel­le (z.B. neben­an) brennt und ein Arbei­ten in der Betriebs­stel­le nicht mehr mög­lich ist, wer­den die anfal­len­den Kos­ten für die Zeit der Betriebs­un­ter­bre­chung von der Ver­si­che­rung über­nom­men. Auch in die­sem Bei­spiel spricht man von einem Fol­ge­scha­den.

Die meis­te Bedeu­tung kommt den Fol­ge­schä­den jedoch im Bereich der Haft­pflicht­ver­si­che­rung zu. Hier kön­nen Ver­mö­gens­schä­den als unmit­tel­ba­re Fol­ge von Per­so­nen- oder Sach­schä­den ent­ste­hen. Rei­ne Ver­mö­gens­schä­den sind jedoch nur über beson­de­re Ver­ein­ba­run­gen – bei­spiels­wei­se in der Pri­vat­haft­pflicht­ver­si­che­rung – mit­ver­si­chert.

Auf Fol­ge­schä­den im Rah­men der Pri­vat­haft­pflicht­ver­si­che­rung wird daher in die­sem Bei­trag ein­ge­hen­der Bezug genom­men.

Das Bür­ger­li­che Gesetz­buch (BGB) sieht in sei­nem Para­gra­phen § 823 vor, dass jeder, der „vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig das Leben, den Kör­per, die Gesund­heit, die Frei­heit, das Eigen­tum oder ein sons­ti­ges Recht eines ande­ren wider­recht­lich ver­letzt, dem ande­ren zum Ersatz des dar­aus ent­ste­hen­den Scha­dens ver­pflich­tet ist“.

Das heißt nicht nur, dass Sach- oder Per­so­nen­schä­den ersetzt wer­den müs­sen, son­dern auch die dar­aus ggf. resul­tie­ren­den Fol­ge­schä­den.

Im Bereich der (Pri­vat-) Haft­pflicht­ver­si­che­rung unter­schei­det man daher auch zwi­schen den ver­schie­de­nen Scha­dens­ar­ten: Sach­scha­den, Per­so­nen­scha­den und Ver­mö­gens­scha­den.

Um Sach­schä­den han­delt es sich, wenn Schä­den am Eigen­tum von Per­so­nen ent­ste­hen, zum Bei­spiel in Form von Beschä­di­gung oder Zer­stö­rung eines Gegen­stan­des.

Bei Per­so­nen­schä­den wer­den Per­so­nen in ihrer Gesund­heit beein­träch­tigt, ver­letzt oder getö­tet.

Ver­mö­gens­schä­den sind Fol­ge­schä­den, die aus Per­so­nen- oder Sach­schä­den ent­ste­hen kön­nen. Man unter­schei­det hier in „unech­te“ Ver­mö­gens­schä­den als Fol­ge eines Sach- oder Per­so­nen­scha­dens (zum Bei­spiel Ver­dienst­aus­fall, Nut­zungs­aus­fall, Ein­kom­mens­min­de­rung) und „ech­te“ Ver­mö­gens­schä­den, bei denen es sich um rein finan­zi­el­le Schä­den han­delt, die nicht Fol­ge eines Sach- oder Per­so­nen­scha­dens sind (zum Bei­spiel wenn ein Online­shop-Pro­gram­mie­rer einen Feh­ler bei der Erstel­lung einer Web­site macht, die Sei­te daher nicht nutz­bar ist und der Besit­zer des Online­shops dadurch Umsatz­ein­bu­ße hat).

Auch immaterielle Schäden können Folgeschäden sein,

wenn sie bei­spiels­wei­se die Ehre oder die Frei­heit eines Men­schen betref­fen.

Sofern es sich um Ver­mö­gens­schä­den in Form eines ent­gan­ge­nen Gewinns oder um einen imma­te­ri­el­len Scha­den han­delt, gibt es auch hier­zu im BGB eine gesetz­li­che Rege­lung. Das BGB geht davon aus, dass ein Gewinn als „ent­gan­gen“ gilt, wenn der Gewinn nach dem „gewöhn­li­chen Lauf der Din­ge“ oder „nach den beson­de­ren Umstän­den (ins­be­son­de­re nach den getrof­fe­nen Anstal­ten und Vor­keh­run­gen)“ mit Wahr­schein­lich­keit erwar­tet wer­den konn­te.
Auch für imma­te­ri­el­le Fol­ge­schä­den kann gemäß § 253 BGB Scha­den­er­satz gefor­dert wer­den, bei­spiels­wei­se in Form von Schmer­zens­geld.

Imma­te­ri­el­le Schä­den, die nicht wirt­schaft­lich mess­bar sind und bei­spiels­wei­se nur aus einem Lieb­ha­ber­in­ter­es­se oder auch „Affek­ti­ons­in­ter­es­se“ bestehen, sind vom Schä­di­ger nicht zu erset­zen.

Ein Beispiel für einen Folgeschaden als Vermögensschaden könnte sein:

Sie fah­ren mit dem Fahr­rad einen Fuß­gän­ger an. Die­ser war gera­de auf dem Weg zu einem Ver­trags­ab­schluss für einen neu­en Auf­trag. Auf­grund der Ver­let­zung muss­te der Fuß­gän­ger ins Kran­ken­haus und konn­te sei­nen Ter­min nicht wahr­neh­men. Der Auf­trag wur­de ander­wei­tig ver­ge­ben.

Durch die Ver­let­zung ist auch ein imma­te­ri­el­ler Scha­den als Fol­ge des Per­so­nen­scha­dens ent­stan­den, für den der Geschä­dig­te ein Schmer­zens­geld ver­lan­gen kann.

Der ent­gan­ge­ne Auf­trag ist eben­falls als Ver­mö­gens­scha­den infol­ge des Per­so­nen­scha­dens zu sehen, da die­ser einen ent­gan­ge­nen Gewinn dar­stellt.

Welche Folgeschäden werden nicht übernommen?

Soll­te es sich um einen Fol­ge­scha­den aus Lieb­ha­ber­in­ter­es­se (Affek­ti­ons­in­ter­es­se) han­deln, hat ein Geschä­dig­ter wenig Chan­ce auf den Ersatz die­ses Scha­dens. Bei­spiels­wei­se wird das Smart­pho­ne einer Bekann­ten beschä­digt, so dass die dar­auf gespei­cher­ten Fotos nicht wie­der­her­ge­stellt wer­den kön­nen. Der Sach­scha­den am Smart­pho­ne kann bezif­fert wer­den und wird ent­spre­chend ersetzt. Der Wert der ver­lo­ren gegan­ge­nen Fotos hin­ge­gen kann nicht wirt­schaft­lich bezif­fert wer­den und ist daher auch nicht vom Schä­di­ger zu erset­zen.

Sofern ein Scha­den vor­sätz­lich her­bei­ge­führt wur­de, ist hier weder der Sach­scha­den noch der Per­so­nen­scha­den und auch nicht die even­tu­ell dar­aus resul­tie­ren­den Fol­ge­schä­den von der Pri­vat­haft­pflicht­ver­si­che­rung zu erset­zen.
Von der Pri­vat­haft­pflicht nicht zu zah­len sind eben­falls Schä­den oder Fol­ge­schä­den, die aus einer beruf­li­chen Tätig­keit, der Nut­zung eines Kraft­fahr­zeu­ges oder der Halter­ei­gen­schaft eines Hun­des oder Pfer­des ent­ste­hen. Hier­für gilt es sepa­ra­ten Ver­si­che­rungs­schutz über ent­spre­chen­de Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge zu ver­ein­ba­ren.


Weitere Informationen

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Ver­si­che­run­gen für Fir­men­kun­den

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