Widerrufsjoker

Als Wider­rufs­jo­ker wird bei einem Immo­bi­li­en­dar­le­hen der auch nach Jah­ren noch mög­li­che Wider­ruf der Immo­bi­li­en­fi­nan­zie­rung bezeich­net. Grund­la­ge ist eine ggfs. feh­ler­haf­te Wider­rufs­be­leh­rung im Dar­le­hens­ver­trag, auf­grund des­sen das Dar­le­hen auch nach der 14-tägi­gen Wider­rufs­frist für ungül­tig erklärt wer­den kann.

Vor­aus­set­zung für den Ein­satz des ewi­gen Wider­rufs­jo­kers ist aller­dings, dass das Immo­bi­li­en­dar­le­hen zwi­schen dem 10. Juni 2010 und dem 20. März 2016 abge­schlos­sen wur­de. Für Bau­fi­nan­zie­run­gen, die ab dem 21. März 2016 geschlos­sen wur­den, gilt eine Frist von einem Jahr und 14 Tagen, in der das Dar­le­hen mit dem Wider­rufs­jo­ker been­det wer­den kann.

Das muss in eine korrekte Widerrufsbelehrung 

Eine feh­ler­haf­te Wider­rufs­be­leh­rung ist Grund­vor­aus­set­zung für das Zie­hen des Wider­rufs­jo­kers. Wich­ti­ge Merk­ma­le für eine kor­rek­te Wider­rufs­be­leh­rung sind:

  • Die Bank muss den Kre­dit­neh­mer über die Wider­rufs­frist von 14 Tagen infor­mie­ren.
  • Der Beginn der Wider­rufs­frist muss mit Datum erkenn­bar sein.
  • Es ist ein Hin­weis auf die Rechts­fol­gen des Wider­rufs ent­hal­ten.
  • Die Wider­rufs­be­leh­rung bezieht sich auf den kon­kre­ten Ver­trag. So dür­fen bei­spiels­wei­se nicht meh­re­re, unter­schied­li­che Hin­wei­se zum Wider­rufs­recht auf­ge­führt wer­den, son­dern der Kre­dit­neh­mer muss ein­deu­tig erken­nen kön­nen, wel­che Wider­rufs­be­leh­rung auf sei­nen Ver­trag zutrifft.
  • Alle Pflicht­an­ga­ben sind voll­stän­dig und kor­rekt ange­ge­ben. Dazu gehö­ren bei­spiels­wei­se die Ver­trags­lauf­zeit, der Dar­le­hens­be­trag, die Art des Dar­le­hens und die Zins­sät­ze.
  • Die Kün­di­gungs­mög­lich­kei­ten wur­den erwähnt.
  • Die Auf­sichts­be­hör­de wur­de kon­kret benannt.
  • Die Wider­rufs­be­leh­rung wur­de durch den Bank­an­ge­stell­ten kor­rekt und unmiss­ver­ständ­lich durch­ge­führt.

Fehlt einer die­ser Punk­te in der Wider­rufs­be­leh­rung oder wur­de der Kre­dit­neh­mer nicht ord­nungs­ge­mäß über den Wider­ruf belehrt, ist es ggfs. mög­lich, den Wider­rufs­jo­ker anzu­wen­den. Um auf Num­mer sicher zu gehen, ist eine vor­he­ri­ge Prü­fung durch einen Fach­an­walt anzu­ra­ten. Die­ser schaut sich noch ein­mal genau den Ver­trag und die feh­ler­haf­te Wider­rufs­be­leh­rung an. Soll­te die Bank denn Wider­rufs­jo­ker für das Immo­bi­li­en­dar­le­hen nicht aner­ken­nen, hilft ein Anwalt auch bei der Durch­set­zung des Wider­rufs­rechts.

WICHTIG: Da, wie bei jeder Rechts­strei­tig­keit, eine Wahr­schein­lich­keit gege­ben ist, sei­ne Ansprü­che gericht­lich gel­tend machen zu müs­sen, soll­te ZWINGEND für die­sen Fall abge­klärt wer­den, wie hoch evtl. Kos­ten bei einem Schei­tern der Kla­ge anfal­len wür­den und ob die zu erwar­ten­de Rechts­strei­tig­keit bzw gericht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung durch eine evtl. bestehen­de Rechts­schutz­ver­si­che­rung beglei­tet wer­den kann. 

Vor dem Widerruf die Anschlussfinanzierung klären

Mit einer feh­ler­haf­ten Wider­rufs­be­leh­rung kann der Dar­le­hens­ver­trag auch noch nach dem Abschluss gekün­digt wer­den, ohne dass eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung anfällt. So kann beim Abschluss einer neu­en Bau­fi­nan­zie­rung unter Umstän­den viel Geld ein­ge­spart wer­den. Des­halb soll­te der Ver­trag aber nicht vor­schnell gekün­digt wer­den: Es ist vor allem wich­tig, vor der Kün­di­gung des Bestands­dar­le­hens die Umschul­dung zu einer ande­ren Bank zu klä­ren.

Denn wird der Wider­rufs­jo­ker von der Bank aner­kannt, muss das gesam­te Immo­bi­li­en­dar­le­hen rück­ab­ge­wi­ckelt wer­den. Das bedeu­tet zum einen, dass die Bank alle bereits gezahl­ten Raten plus der Zin­sen und Gewin­ne an den Kun­den zurück­er­stat­tet. Zum ande­ren muss der Kre­dit­neh­mer das Dar­le­hen inklu­si­ve der noch nicht gezahl­ten Zin­sen auf die aus­ste­hen­de Rest­schuld an die Bank zurück­zah­len. Um die­se Zah­lun­gen auch gewähr­leis­ten zu kön­nen, ist eine Anschluss­fi­nan­zie­rung unab­ding­bar – ins­be­son­de­re, da die Rück­zah­lung oft schnell inner­halb von 30 Tagen erfol­gen muss.

Die Vor­ge­hens­wei­se beim Wider­rufs­jo­ker noch ein­mal zusam­men­ge­fasst:

  1. Prü­fen des Dar­le­hens­ver­tra­ges und der Wider­rufs­be­leh­rung auf Feh­ler durch einen Fach­an­walt
  2. Soll­te die Wider­rufs­be­leh­rung feh­ler­haft sein: Kos­ten einer evtl. gericht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Fach­an­walt bespre­chen
  3. Prü­fen, inwie­weit eine evtl. vor­han­de­ne Rechts­schutz­ver­si­che­rung ein evtl. Kla­ge­ver­fah­ren beglei­ten wür­de
  4. Anschluss­fi­nan­zie­rung über eine ande­re Bank vor­be­spre­chen und eine Bereit­schafts­er­klä­rung zur Dar­le­hens­ver­ga­be der neu­en Bank bei­zie­hen
  5. Wider­ruf des Dar­le­hens schrift­lich an die finan­zie­ren­de Bank schi­cken
  6. Akzep­tiert die finan­zie­ren­de Bank den Wider­ruf: Anschluss­fi­nan­zie­rung bei der neu­en Bank bean­tra­gen
  7. Lehnt die Bank den Wider­ruf ab, müs­sen recht­li­che Mit­tel in Anspruch genom­men wer­den

Eine feh­ler­haf­te Wider­rufs­be­leh­rung bie­tet also die Mög­lich­keit, aus einem hoch ver­zins­ten Dar­le­hens­ver­trag aus­zu­stei­gen und zu einem Dar­le­hen mit güns­ti­ge­ren Zin­sen zu wech­seln.

Dabei ent­fällt die Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung. Die­se wird von den Ban­ken ver­langt, wenn das Immo­bi­li­en­dar­le­hen vor­zei­tig vom Kun­den gekün­digt wird. Kann jedoch eine feh­ler­haf­te Wider­rufs­be­leh­rung im Dar­le­hens­ver­trag nach­ge­wie­sen wer­den, ent­fällt die Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung.


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