Riester-Rente /​Zulagen-Rente

Die Ries­ter-Ren­te oder auch Zula­gen-Ren­te genannt ist eine durch staat­li­che Zula­gen und durch Son­der­aus­ga­ben­ab­zug geför­der­te, grund­sätz­lich pri­vat finan­zier­te Ren­te in Deutsch­land. Die För­de­rung ist durch das Alters­ver­mö­gens­ge­setz 2002 ein­ge­führt wor­den und in den § 10a und §§ 79 ff. Ein­kom­men­steu­er­ge­setz gere­gelt.

Die Bezeich­nung „Ries­ter-Ren­te“ geht auf den SPD Poli­ti­ker Wal­ter Ries­ter zurück, der als Bun­des­mi­nis­ter für Arbeit und Sozi­al­ord­nung die För­de­rung der frei­wil­li­gen Alters­vor­sor­ge durch eine Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge vor­ge­schla­gen hat­te. Anlass dafür war die Reform der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung 2000/​2001, bei der das Net­to­ren­ten­ni­veau des Eck­rent­ners, eines ide­al­ty­pisch sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­ten, der 45 Jah­re lang Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge ein­ge­zahlt hat, von 70 % auf 67 % redu­ziert wor­den war.

Seit 2002 kann die dadurch ent­ste­hen­de Ver­sor­gungs­lü­cke mit einer pri­va­ten oder betrieb­li­chen Alters­vor­sor­ge aus­ge­gli­chen wer­den. Um Ver­brau­cher zum Abschluss einer ent­spre­chen­den Vor­sor­ge zu moti­vie­ren, unter­stützt der Staat seit die­sem Jahr den Vor­sor­ge­spa­rer mit einer Ries­ter-Ren­te auf zwei ver­schie­de­nen Wegen: Direk­te Zula­gen in den Ver­trag und Steu­er­vor­tei­le. Abhän­gig von der Zula­gen­hö­he und dem Ein­kom­men kann auch schon mit gerin­gen monat­li­chen Bei­trä­gen ein finan­zi­el­les Pols­ter für den Ruhe­stand auf­ge­baut wer­den.

Anspruch auf Alters­vor­sor­ge­zu­la­ge in der Ries­ter-Ren­te haben ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Per­so­nen, sofern sie der unbe­schränk­ten Steu­er­pflicht unter­lie­gen. Hier­bei wird in drei ver­schie­de­ne Per­so­nen­grup­pen unter­schie­den: unmit­tel­ba­re, mit­tel­ba­re und nicht zula­gen­be­rech­tig­te Per­so­nen.

Unmit­tel­bar zula­gen­be­rech­tig­te Per­so­nen in der Ries­ter-Ren­te sind ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Arbeit­neh­mer, Amts­trä­ger, ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Selbst­stän­di­ge, Bezie­her von Arbeits­lo­sen­geld, Bezie­her von Kran­ken­geld, ALG-II-Emp­fän­ger, nicht erwerbs­mä­ßig täti­ge Pfle­ge­per­so­nen, Wehr- und Zivil­dienst­leis­ten­de, gering­fü­gig Beschäf­tig­te, Beam­te, Sol­da­ten und Rich­ter, voll­stän­dig Erwerbs­ge­min­der­te oder Dienst­un­fä­hi­ge und Kin­der­er­zie­hen­de.

Mit­tel­bar zula­gen­be­rech­tig­te Per­so­nen in der Ries­ter-Ren­te sind Ehe- und Lebens­part­ner von unmit­tel­bar Zula­gen­be­rech­tig­ten, wenn sie in einen eige­nen Alters­vor­sor­ge­ver­trag min­des­tens 60€ p.a. ein­zah­len.

Nicht zula­gen­be­rech­tig­te Per­so­nen in der Ries­ter-Ren­te sind nicht ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Selbst­stän­di­ge, Pflicht­ver­si­cher­te in Ein­rich­tun­gen der berufs­stän­di­schen Ver­sor­gung (Bsp. Apo­the­ker, Ärz­te, Rechts­an­wäl­te), Bezie­her einer Ren­te wegen teil­wei­se ver­min­der­ter Erwerbs­fä­hig­keit und Stu­den­ten.

Die staat­li­che Zula­ge beträgt maxi­mal 175€ p.a. pro Ver­trag. Die­se wird vom Staat in den Ries­ter-Ren­ten Ver­trag ein­ge­zahlt, wenn die zula­gen­be­rech­tig­te Per­son 4% des Vor­jah­res­brut­to­ein­kom­mens (Höchst­bei­trag beträgt seit 2008 2100€) in den Ries­ter-Ren­te-Ver­trag ein­zahlt. Für jedes Kind, wel­ches vor 2008 gebo­ren wur­de, erhält der Ver­si­che­rungs­neh­mer 185€ p.a. Kin­der­zu­la­ge vom Staat in sei­nen geför­der­ten Ver­trag. Für Kin­der, die nach 2008 gebo­ren wur­den, erhält der Ver­si­che­rungs­neh­mer 300€ Kin­der­zu­la­ge.

Die Zula­gen wer­den jähr­lich vom Ver­si­che­rer bei der Zula­gen­stel­le für Alters­ver­mö­gen bean­tragt. Der Ries­ter-Spa­rer muss hier­zu bei sei­nem Ver­si­che­rer einen Antrag stel­len, den so genann­ten Zula­gen-Antrag. Es ist mög­lich eine Voll­macht für einen Dau­er­zu­la­gen­an­trag ertei­len, sodass der Ver­si­che­rer jedes Jahr auto­ma­tisch den Zuschuss bean­tragt. Ein­zig Ver­än­de­run­gen, wie Ehe­schlie­ßung, Schei­dung, Geburt eines Kin­des oder das Aus­schei­den eines Kin­des aus der Kin­der­geld­be­rech­ti­gung müs­sen dann gemel­det wer­den.

Neben den Zula­gen macht der steu­er­li­che Vor­teil das Ries­tern so attrak­tiv, denn der selbst­ge­zahl­te Bei­trag kann bei dem Lohn­steu­er­jah­res­aus­gleich ange­ge­ben und antei­lig zurück­ge­for­dert wer­den.

Der Ries­ter-Ren­ten-Spa­rer erhält im ers­ten Anspa­rungs­jahr einen Berufs­ein­stei­ger-Bonus in Höhe von 200€, wenn er sein 25. Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat und unmit­tel­bar zula­gen­be­rech­tigt ist. Bei Kür­zun­gen der Grund­zu­la­ge wird der Bonus in glei­chem Ver­hält­nis gekürzt.

Was ist bei der Auszahlung der Riester-Rente zu beachten?

Zu Ren­ten­be­ginn gibt es die Mög­lich­keit, sich bis zu 30 Pro­zent des auf­ge­bau­ten Ries­ter-Pols­ters auf einen Schlag aus­zah­len zu las­sen. Der Rest erfolgt als lebens­lan­ge monat­li­che Ren­ten­aus­zah­lung. Wur­de die Ries­ter-Ren­te in Form einer Betriebs­ren­te ver­ein­bart, wer­den auf die pri­va­te Ren­te vol­le Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge fäl­lig.

Die Ren­ten­zah­lun­gen aus der Ries­ter-Ren­te müs­sen ver­steu­ert wer­den, dafür fal­len in der Anspar­pha­se kei­ne Steu­ern an. Wie viel dabei an den Staat fließt, hängt vom per­sön­li­chen Steu­er­satz ab. Da das Gesamt­ein­kom­men der Ver­si­cher­ten im Ren­ten­al­ter aller­dings in der Regel klei­ner aus­fällt als wäh­rend des Erwerbs­le­bens, pro­fi­tie­ren die meis­ten Ries­ter-Rent­ner durch die soge­nann­te nach­ge­la­ger­te Besteue­rung auf­grund eines nied­ri­ge­ren Steu­er­sat­zes.

Für wen ist die Riester-Rente geeignet?

Die Ries­ter-Ren­te eig­net sich auf­grund der Zula­gen für jede Per­son, die zula­gen­be­rech­tigt ist. Die­se kön­nen ein wah­rer Ren­di­te­tur­bo sein. Dazu ist es wich­tig, jedes Jahr die vol­le För­de­rung zu erhal­ten. Da Fami­li­en mit Kin­dern durch die Kin­der­zu­la­gen zusätz­lich unter­stützt wer­den, lohnt sich die­se pri­va­te Alters­vor­so­ge vor allem für sie, aber auch für Allein­er­zie­hen­de. Gut­ver­die­ner kön­nen sich hin­ge­gen über die Steu­er­vor­tei­le eine wei­te­re För­de­rung des Staa­tes sichern. Gering­ver­die­ner pro­fi­tie­ren davon, dass sie die Zula­gen schon mit einem gerin­gen eige­nen Bei­trag erhal­ten kön­nen. Wich­tig ist: Die per­fek­te Ries­ter-Ren­te gibt es nicht von der Stan­ge. Eine indi­vi­du­el­le Bera­tung zu der Ren­ten­ver­si­che­rung mit staat­li­cher Unter­stüt­zung ist daher wich­tig.

Beispiele:

1) Frau Wer­der, ver­hei­ra­tet, Ange­stell­te Spe­di­ti­ons­kauf­frau, 2 Kin­der nach 2008

Jah­res­brut­to­ein­kom­men: 32.000€

4% von 32.000€=1280€ - 600€ (2x Kin­der­zu­la­ge Kind nach 2008) - 175€ (staat­li­che Zula­ge) = 505€ jähr­li­cher Eigen­auf­wand, um die vol­le staat­li­che Zula­ge zu erhal­ten

Steu­er­erspar­nis als Son­der­aus­ga­be: 403€

Effek­ti­ver Eigen­bei­trag somit ledig­lich 102€  

2) Herr Bre­men, ver­hei­ra­tet, Grund­schul­leh­re­rin, 1 Kind vor 2008

Jah­res­brut­to­ein­kom­men: 62.000€

4% von 62.000€= 2480€; da der Höchst­bei­trag bei 2100€ liegt wird mit die­ser Sum­me gerech­net

2100€ -175€ (Kin­der­zu­la­ge für 1 Kind vor 2008) -175€ (staat­li­che Zula­ge) = 1750€ jähr­li­cher Eigen­auf­wand

Steu­er­erspar­nis als Son­der­aus­ga­be: 799€

Effek­ti­ver Eigen­bei­trag beträgt 951€

Welche Formen der Riester-Rente gibt es?

Es ist mög­lich auf unter­schied­li­che Wei­se zu „ries­tern“. Am bekann­tes­ten sind klas­si­sche Ries­ter-Ren­ten­ver­si­che­run­gen. Hin­zu kom­men Ries­ter-Fonds­spar­plä­ne und fonds­ge­bun­de­ne Ren­ten­ver­si­che­run­gen. Bei­de eig­nen sich im Nor­mal­fall nicht für Ver­brau­cher, die weni­ger als 20 bis 25 Jah­re Zeit bis zum Ruhe­stand haben. Außer­dem gibt es Ries­ter-Bank­spar­plä­ne und den soge­nann­ten Wohn-Ries­ter. Die­ser kann inter­es­sant sein, wenn ein Eigen­heim gebaut oder kau­fen wer­den soll.

Wel­che Form der Ries­ter-Ren­te am bes­ten ist, lässt sich pau­schal nur schwer sagen. Es ist daher rat­sam, die Vari­an­ten zusam­men mit einem Exper­ten zu bespre­chen und ver­glei­chen. Die­ser weiß in der Regel aus Erfah­rung, wel­che Opti­on am bes­ten passt.

Diese Möglichkeiten gibt es bei der Riester-Rente:

Klassische Riester-Rente:

Bei Ver­trags­ab­schluss ist bereits bekannt, wie hoch die garan­tier­te Ren­te im Alter aus­fällt. Die Ver­si­che­rer kön­nen das Geld der Kun­den jedoch kaum in ren­di­te­rei­chen Anla­gen inves­tie­ren, sodass sich die pri­va­te Ren­te in Zei­ten der Nied­rig­zins­pha­se kaum durch Zins­ge­win­ne erhöht.

Fondsgebundene Riester-Rente:

Je nach Ver­trag garan­tie­ren die Anbie­ter meist nur, dass die ein­ge­zahl­ten Spar­bei­trä­ge zurück­ge­zahlt wer­den. Die Unter­neh­men sind aller­dings frei­er bei der Anla­ge­stra­te­gie und kön­nen die Höhe der Ren­te durch eine pas­sen­de Fonds­aus­wahl deut­lich stei­gern. Ob dies tat­säch­lich ein­tritt, ent­schei­det am Ende der Akti­en­markt.

Riester-Fondssparplan:

Hier gibt es nur sehr weni­ge Anbie­ter, die einen Ries­ter-Fonds­spar­plan anbie­ten. In der Regel fal­len für den Fonds­spar­plan nied­ri­ge­re Kos­ten als bei einer fonds­ge­bun­de­nen Ren­ten­ver­si­che­rung an. Aller­dings unter­lie­gen die erziel­ten Gewin­ne einer ande­ren, schlech­te­ren Ver­steue­rung. Zudem müs­sen Anle­ger ein Depot­kon­to eröff­nen, was zusätz­li­che Gebüh­ren ver­ur­sacht.

Riester-Banksparplan:

Der Ries­ter Bank­spar­plan ist eine kos­ten­güns­ti­ge Vari­an­te des „Ries­terns“. Aller­dings bie­ten nur noch weni­ge Ban­ken die­se Vor­sor­ge­form an. Spa­rer haben stets einen guten Über­blick über ihr Gut­ha­ben. Aller­dings schwankt der Wert des ange­spar­ten Gut­ha­bens stark.

Wohn-Riester:

Soll eine eige­ne Immo­bi­lie finan­ziert wer­den, fließt die Zula­gen von aktu­ell 175 EUR direkt in die Til­gung eines Kre­dits oder in einen Bau­spar­ver­trag. Aller­dings darf das Eigen­tum nur selbst genutzt und inner­halb eines bestimm­ten Zeit­rau­mes nicht ver­kauft wer­den.


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