Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung leis­tet, wenn durch Krank­heit oder einen Unfall der Lebens­un­ter­halt plötz­lich weg­fällt. Sie ist, neben der Unfall­ver­si­che­rung, eine der bekann­tes­ten Invaliditätsabsicherungen.

Wer benötigt eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Grund­sätz­lich macht eine Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung immer dann Sinn, wenn durch den Ver­lust der Arbeits­kraft die Exis­tenz gefähr­det ist. Die Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung sichert für den Ver­si­che­rungs­neh­mer den bis­he­ri­gen Lebens­stan­dard. Wird der Ver­si­che­rungs­neh­mer berufs­un­fä­hig, fängt die Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung den Weg­fall des Gehal­tes durch eine monat­li­che Zah­lung der im Ver­si­che­rungs­schein ver­ein­bar­ten Sum­me (Berufs­un­fä­hig­keits­ren­te) auf.
Ist man also auf sein Gehalt ange­wie­sen, weil von die­sem z.B. die Mie­te gezahlt, das Haus abbe­zahlt, das Auto abbe­zahlt oder auch in den Urlaub gefah­ren wird, so ist der Abschluss einer Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung emp­feh­lens­wert, um die sich auf­ge­bau­te Exis­tenz zu halten.

Wie kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden?

Eine Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung kann als Zusatz­ver­si­che­rung an eine Ren­ten­ver­si­che­rung, Lebens­ver­si­che­rung oder als selbst­stän­di­ge Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung abge­schlos­sen wer­den. Hier kommt es dar­auf an, wel­ches Ziel die ver­si­cher­te Per­son mit dem Abschluss einer Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung neben der Absi­che­rung der Arbeits­kraft befolgt. Wenn nur der Wunsch nach einer Absi­che­rung des Risi­kos einer Berufs­un­fä­hig­keit besteht, bie­tet sich der Abschluss einer selbst­stän­di­gen Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung an.

Ist jedoch auch das Errei­chen eines Spar­ziels zum Ren­ten­ein­tritts­al­ter eben­falls ein Aspekt, der berück­sich­tigt wer­den soll, ist es mög­lich, die Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung mit einer pri­va­ten Ren­ten­ver­si­che­rung zu koppeln.

Welche Voraussetzungen gibt es für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung?

Wich­tig bei einer Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung ist die vor­ver­trag­li­che Anzei­ge­pflicht nach §19 VVG.
Der Gesetz­ge­ber sagt hier­zu, der Ver­si­che­rungs­neh­mer ist dem Ver­si­che­rer gegen­über ver­pflich­tet, rich­ti­ge Anga­ben bei Fra­gen zum Gesund­heits­zu­stand oder sons­ti­gen Lebens­um­stän­den, sowie zu gefähr­li­chen Hob­bys zu machen. Als risi­ko­rei­ches Hob­by zäh­len z.B. Risi­ko­sport­ar­ten wie Bun­gee-Jum­ping, Free-Solo Klet­tern, Wett­fahr­ten, Tau­chen oder Motor­cross. Soll­te der Ver­si­che­rungs­neh­mer die­se Pflich­ten bei Abschluss einer Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung ver­let­zen, hat dies Aus­wir­kun­gen auf den Vertrag.

Han­delt der Ver­si­che­rungs­neh­mer vor­sätz­lich, in dem er bei­spiels­wei­se eine Rücken-OP ver­schweigt, kann der Ver­si­che­rer die Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung kün­di­gen. Es besteht dann kein Ver­si­che­rungs­schutz mehr und die bereits bezahl­ten Bei­trä­ge gibt es in der Regel auch nicht zurückerstattet.

Han­delt der Ver­si­che­rungs­neh­mer fahr­läs­sig, in dem er zum Bei­spiel nicht wuss­te, dass sein Hob­by zur Risi­ko­ka­te­go­rie gehört, kann der Ver­si­che­rer Kür­zun­gen im Leis­tungs­um­fang der Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung vor­neh­men. Bei­spiels­wei­se durch Aus­schluss einer Berufs­un­fä­hig­keit durch das ris­kan­te Hobby.

Für wen eignet sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Eine Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung eig­net sich erst­mal für jeden, der einen Beruf aus­übt, aber auch für Schüler/​Studenten (Schul­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung) oder Haus­frau­en/-män­ner.

Beson­ders wich­tig ist eine Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung für Selbst­stän­di­ge, die nicht in die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung ein­zah­len und somit auch kaum bis gar kei­nen Anspruch auf eine Erwerbs­min­de­rungs­ren­te haben. Hier ist eine Absi­che­rung der Arbeits­kraft also von enor­mer Wich­tig­keit, da im Fal­le einer Berufs­un­fä­hig­keit der finan­zi­el­le Ruin droht.

Aber auch für Berufs­ein­stei­ger, wie z.B. Aus­zu­bil­den­de ist eine Absi­che­rung durch eine Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung wich­tig sein. Ansprü­che einer Erwerbs­min­de­rungs­ren­te ste­hen einem erst zu, wenn min­des­tens 5 Jah­re, das heißt 60 Mona­te in die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung ein­ge­zahlt wor­den ist. Die Höhe die­ser staat­li­chen Leis­tung ist dann auch davon abhän­gig, wie viel vor­her ein­ge­zahlt wurde.
Fängt eine 19-Jäh­ri­ge nach dem Schul­ab­schluss eine Aus­bil­dung zur Kauf­frau für Ver­si­che­run­gen und Finan­zen an, hat Sie in aller Regel vor­her nicht in die deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung ein­ge­zahlt und somit kei­nen Anspruch auf Erwerbs­min­de­rungs­ren­te. Sie wür­de folg­lich in die gesetz­li­che Grund­si­che­rung (Arbeits­lo­sen­geld II) rut­schen. Han­delt es sich hier­bei auch noch um die Erst­aus­bil­dung, sind die Eltern für das Wohl ihres Kin­des ver­ant­wort­lich- auch und vor allem in finan­zi­el­ler Hinsicht.

Ist es möglich, bereits während der Schulzeit eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen?

Ja, vie­le Ver­si­che­rer bie­ten mitt­ler­wei­le auch die Absi­che­rung der Schul­fä­hig­keit durch eine Schü­ler-Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung an. Die­se hat vor allem den Vor­teil, dass in jun­gen Jah­ren der Gesund­heits­zu­stand ein­wand­frei ist und somit ohne Ein­schrän­kun­gen eine Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung abge­schlos­sen wer­den kann. Durch das frü­he Ein­tritts­al­ter ist aber auch der Bei­trag gerin­ger, als wür­de man z.B. erst mit 30 Jah­ren eine Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung abschließen.

Ein wei­te­rer Vor­teil der Schü­ler­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung ist, dass bei Ein­tritt in das rich­ti­ge Berufs­le­ben kei­ne erneu­te Gesund­heits­prü­fung mehr erfolgt. Eltern, die sich für eine frü­he Absi­che­rung ihrer Kin­der ent­schei­den, sichern damit in ers­ter Linie ihr eige­nes Risi­ko ab, im Fall einer Schulunfähigkeit/​Berufsunfähigkeit ein Leben lang finan­zi­ell für ihre Kin­der sor­gen zu müssen.

Wann leistet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung leis­tet infol­ge von Pfle­ge­be­dürf­tig­keit, Krank­heit, Kör­per­ver­let­zung und bei mehr als alters­ent­spre­chen­den Kräf­te­ver­falls. Dies muss jeweils durch einen Arzt attes­tiert wer­den. Wei­ter leis­tet eine Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung in den meis­ten Bedin­gungs­wer­ken der ver­schie­de­nen Ver­si­che­rer erst, wenn vor­aus­seh­bar ist, dass der Ver­si­che­rungs­neh­mer min­des­tens sechs Mona­te zu min­des­tens 50% berufs­un­fä­hig sein wird. Auch dies muss durch einen Arzt fest­ge­stellt wor­den sein. Soll­te ein sol­cher Fall vor­lie­gen, wird die in der Poli­ce ver­ein­bar­te BU-Ren­te bis zum ver­ein­bar­ten Ablauf oder bis zum Tod des Ver­si­che­rungs­neh­mers aus­ge­zahlt. Die Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung ist im Leis­tungs­fall immer beitragsfrei.

Gibt es eine Nachprüfung, wenn eine Berufsunfähigkeit vorliegt?

Der Ver­si­che­rer hat das Recht, ein­mal im Jahr eine Nach­prü­fung durch einen Ver­trags­arzt anzu­ord­nen. In der Regel prü­fen die Ver­si­che­rer die Berufs­un­fä­hig­keit jedoch nur alle zwei Jah­re, da Nach­prü­fun­gen für die­sen rela­tiv teu­er und vom hohen Ver­wal­tungs­auf­wand sind.

Bei einer Nach­prü­fung ist der Ver­si­che­rungs­neh­mer zur Mit­hil­fe ange­wie­sen, muss aber kei­ne unzu­mut­ba­ren Unter­su­chun­gen über sich erge­hen las­sen. Auch kann der Ver­si­che­rungs­neh­mer die Nach­prü­fung ableh­nen, wenn die­ser nach­wei­sen kann, dass der Gut­ach­ter zu weit vom stän­di­gen Wohn­ort ent­fernt liegt oder die­ser zu Guns­ten des Ver­si­che­rers entscheidet.

Was sind die häufigsten Gründe der Nichtleistung einer Berufsunfähigkeitsversicherung?

Am häu­figs­ten leis­tet der Ver­si­che­rer nicht, wenn auf Rück­fra­gen der Ver­si­che­rungs­neh­mer nicht reagiert bzw. sich nicht zurück­mel­det. Dicht gefolgt ist das nicht Errei­chen der 50%-Berufsunfähigkeit, die für das Leis­ten der Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung zwin­gend not­wen­dig ist. Wei­te­re Ursa­chen kön­nen z.B. die Ver­let­zung der vor­ver­trag­li­chen Anzei­ge­pflicht oder der Aus­schluss auf­grund von ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Klau­seln sein.

Wie ist die gesetzliche Absicherung im Falle einer Berufsunfähigkeit aufgestellt?

Alle Bür­ger, die nach dem 01.01.1961 gebo­ren wur­den, haben nur noch Anspruch auf Erwerbs­min­de­rungs­ren­te, die in der Regel unter­halb des Grund­si­che­rungs­ni­veaus liegt. Der Gesetz­ge­ber bemisst die Berufs­un­fä­hig­keit in Arbeits­stun­den. Kann der Ver­si­che­rungs­neh­mer nur noch weni­ger als 3 Stun­den am Tag arbei­ten, steht ihm die vol­le Erwerbs­min­de­rungs­ren­te zu. Bei einer Per­son, die zwi­schen 3 und 6 Stun­den arbei­ten kann, hal­biert sich die Erwerbs­min­de­rungs­ren­te. Eine Per­son, die mehr als 6 Stun­den arbei­ten kann, steht kei­ne Erwerbs­min­de­rungs­ren­te zu.
Die Erwerbs­min­de­rungs­ren­te beträgt ca. 34% der Brut­to­be­zü­ge maxi­mal aber 80% der regel­mä­ßi­gen Nettobezüge.

Bei einem Brut­to­ge­halt von bei­spiels­wei­se 2000€ sind 34% gera­de mal 680€. Zum Ver­gleich: Das Grund­si­che­rungs­ni­veau in Deutsch­land liegt bei einer allein­ste­hen­den Per­son bei ca. 876€ (Stand 2019).

Fällt die Erwerbs­min­de­rungs­ren­te gerin­ger aus als die Grund­ab­si­che­rung, stockt der Staat auf. Die Fra­ge ist aber: rei­chen in unse­rem Rechen­bei­spiel die auf­ge­stock­ten 876€ aus, um den bis­he­ri­gen Lebens­stil zu erhalten?

Dienstunfähigkeit - der Sonderfall bei Beamten

Wer als Beam­ter oder Sol­dat arbei­tet, muss um dienst­un­fä­hig zu wer­den, nicht zwin­gend auch berufs­un­fä­hig sein. Dienst­un­fä­hig ist, wer als Beam­ter oder Sol­dat auf­grund kör­per­li­chen Gebre­chens oder wegen Schwä­che der kör­per­li­chen und geis­ti­gen Kräf­te nicht mehr in der Lage ist, sei­ne dienst­li­chen Pflich­ten gegen­über sei­nen Dienst­her­ren zu erfüllen.

Bei Beam­ten kommt es dar­auf an, wel­chen Beam­ten­sta­tus die­ser hat. Zuerst wird man auf Wider­ruf ver­be­am­tet. Ein Lehr­amts­an­wär­ter, der sich gera­de im Refe­ren­da­ri­at befin­det, ist zum Bei­spiel ein Beam­ter auf Wider­ruf. Für die Absi­che­rung sei­ner Arbeits­kraft bedeu­tet dies, dass er bei Dienst­un­fä­hig­keit aus dem Vor­be­rei­tungs­dienst ent­las­sen und in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung nach­ver­si­chert wird. Da ein Lehr­amts­an­wär­ter in der Regel die War­te­zeit von 60 Mona­ten nicht erfüllt hat, bestehen hier auch kei­ne Ansprü­che auf Erwerbs­min­de­rungs­ren­te. Der Beam­te auf Wider­ruf geht somit leer aus.

Hat der Lehr­amts­an­wär­ter sein Refe­ren­da­ri­at erfolg­reich abge­schlos­sen, wech­selt sein Beam­ten­sta­tus von “auf Wider­ruf“ zu „auf Pro­be“. Für den Fall, er wer­de dienst­un­fä­hig, bedeu­tet das, er hat nur im Fal­le einer durch einen Dienst­un­fall ver­ur­sach­te Dienst­un­fä­hig­keit einen Anspruch auf Ruhe­geld. Andern­falls zahlt der Dienst­herr rück­wir­kend die Bei­trä­ge in die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung und der Beam­te auf Pro­be hat, nach Ablauf der War­te­zeit, einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente.

Wech­selt der Beam­ten­sta­tus dann auf „Lebens­zeit“, wird der Beam­te bei Dienst­un­fä­hig­keit von sei­nem Dienst­herrn in den Ruhe­stand ver­setzt und erhält dann sein Ruhe­ge­halt. Die­ses Ruhe­ge­halt ist in den meis­ten Fäl­len jedoch nicht aus­rei­chend, um den aktu­el­len Lebens­stan­dard hal­ten zu kön­nen. Die Min­dest­ver­sor­gung bei Dienst­un­fä­hig­keit von Beam­ten auf Lebens­zeit liegt im Jahr 2020 bei rund 1750 Euro monat­lich und schwankt gering­fü­gig je nach Bundesland.

Wie hoch soll­te die Absi­che­rung durch eine Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung sein?

Die genaue Absi­che­rungs­sum­me lässt sich nicht für alle gleich fest­le­gen, da eine Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung eine Indi­vi­du­al­ver­si­che­rung ist und damit für jeden Ver­si­che­rungs­neh­mer indi­vi­du­ell an den jewei­li­gen Bedarf ange­passt wird. Min­des­tens soll­te die Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung in Addi­ti­on mit der gesetz­li­chen Erwerbs­min­de­rungs­ren­te 100 % des Net­to­ein­kom­mens betra­gen. Ide­al wäre eine Berufs­un­fä­hig­keits­ren­te von 80 Pro­zent des vor­he­ri­gen Nettoeinkommens.


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